Piotr Roguski

Über das Profil von „Zarys“

 

Wie definiert sich der „Zarys“ in der Vorstellung der Redakteure? Am vernünftigsten ist es natürlich im eigenen Namen zu sprechen; zum Glück sind wir ein nicht hierarchisch gegliedertes Team, frei von Abhängigkeitsstrukturen jeglicher Art, ich brauche daher keiner vorgegebenen „Linie“ zu folgen.


Der Ehrgeiz der Redaktion des „Zarys“ ist das Redigiereneiner inhaltlich und editorisch auf einem anständigen Niveau stehenden gesellschaftlich-literarischen Zeitschrift. Ist das als Programm viel oder wenig?


Ich denke, daß das Maß für den Erfolg eines jeden Vorhabens nicht programmatische Eingangsdeklarationen sind, gerne und großzügig formuliert, sondern konsequentes Handeln. Der Leser wird sich selbst eine Meinung darüber bilden, in welche Richtung die Zeitschrift zielt. Die aktuelle Ausgabe bestätigt ihn nur in der zutreffenden Annahme, daß„Zarys“ wirklich zweisprachig wurde und Autoren sowie die Problematik aus beiden Kulturkreisen fördert. Und schließlich, daß diese freundschaftliche Verbindung alle Merkmale der Dauerhaftigkeit trägt. Das ist nicht unsere Entdeckung, wir folgen den Spuren jener, die als erste die Idee einer polnisch-deutschen Annäherung über den Dialog der Kulturen realisiert haben.


„Zarys“, obwohl auf dem Markt etwas vereinsamt, folgt natürlich dem irgendwie „Gestern“ und „Heute“ der polnischen Presse in Deutschland. Wir möchten die ehrgeizigen Vorhaben der Schöpfer, Redakteure und Mitarbeiter der „Pogląd“, „Archipelag“, „Zbliżenie“ oder „B 1“ nicht vergessen. Sie wirkten unter anderen Bedingungen, formulierten etwas andere Aufgaben, aber das übergeordnete Ziel blieb dasselbe.


Wenn wir uns die Mehrheit der polnischsprachigen Zeitschriften anschauen, die innerhalb Deutschlands herausgegeben werden, können wir ohne Schwierigkeiten ihren merkantilen Charakter erkennen. Titel, wie etwa: „Info & Tips“, „Samo Życie“, „Kurier Polonica“ und ihnen ähnliche, redigiert von Polen für Polen, bieten hauptsächlich die Vermittlung im Austausch der unterschiedlichsten Informationen und Dienste an, mithin im Bereich des ganzen Spielraums praktischer Angelegenheiten, die für das Leben der deutschen „Polonia“, also der in Deutschland wohnenden Polen, nützlich sind. Man kann nicht sagen, daß diese Zeitschriften überflüssig wären.


Wenn wir uns nun dem polnischen Markt zuwenden, auf dem deutsch-sprachige Titel im Umlauf sind, so beobachten wir eine Erscheinung anderer Art. Solche Zeitschriften, wie die größte und populärste, das „Schlesische Wochenblatt“, das den Untertitel „Zeitung der Deutschen in der Republik Polen“ trägt, die Spalten den lokalen Ereignissen widmend, definieren grundsätzlich andere Ziele. Sie sind zu verstehen als langfristige, stark akzentuierte Fürsorge um die eigene deutsche Identität und um die Gebiete, die (mehr oder weniger offensichtlich) als verloren betrachtet werden.


Eine andere Kategorie stellen die Zeitschriften dar, die über eine solide finanzielle und organisatorische Rückendeckung verfügen und speziell berufen sind, um bestimmte politische Aufgaben zu realisieren, die der friedlichen Annäherung von Polen und Deutschen dienen. Zu ihnen würde ich besonders die schon seit zwanzig Jahren bestehende Vierteljahresschrift „Dialog“sowie die etwas jüngere „Transodra“ zählen. Beide Zeitschriften „wollen einen Beitrag zum deutsch-polnischen Informations- und Meinungsaustausch leisten“, ihre politische Unabhängigkeit stark betonend: „sie sind kein Sprachrohr der einen oder anderen Seite, sondern wollen helfen, Informationsdefizite und Vorurteile abzubauen“.


In dieser polnisch-deutschen und deutsch-polnischen Presselandschaft definiert sich „Zarys“ als eine gesellschaftlich-literarische Zeitschrift, die ihren Platz im Bereich eines ziemlich spezifischen Dialoges sucht. Wir sind uns dessen bewußt, daß wir uns in einem noch schwach bevölkerten Raum bewegen, sowohl von Schreibenden wie auch Lesern. Unsere Aufgabe sehen wir daher im Schaffen eines Forums des Austausches von Gedanken, Ideen, künstlerischen Eindrücken für beide Seiten des Dialogs: der Schriftsteller, Publizisten, Kritiker, die ihre Leser suchen, wie auch umgekehrt.


Diese Formel macht schon der Definition nach unsere Zeitschrift zu einer offenen. Wir öffnen sie für den polnischen und deutschen Schriftsteller, daher die Idee der Zweisprachigkeit, und für den Leser, der auf beiden Seiten der Grenze wohnt. Selber in „zwei Welten“ lebend (eine alte Bezeichnung, die zum Glück beginnt neue Farben anzunehmen), betrachten wir uns als natürliche Vermittler und Initiatoren dieses unentbehrlichen Prozesses der Veränderungen und Annäherungen.

 

Piotr Roguski

 

Antykwariat - tania książka
Thomas H. Barczyk

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