Das Ziel ist Verständigung

Darmstädter Echo | 16. Februar 2011 | Von Judith Schäfer

 

Roman Ulfik hat bereits das neunte Heft seines deutsch-polnischen Kulturmagazins „Zarys“ (deutsch: Umriss, Grundriss) vorgelegt, in diesem Jahr soll das Jubiläumsheft in Druck gehen. Das vom gleichnamigen, 2008 in Messel gegründeten deutsch-polnischen Kulturverein herausgegebene Magazin mit über vierhundert Seiten Prosa, Lyrik, Essays, historischen Betrachtungen, aktuellen Reportagen und Interviews „ist derzeit die einzige deutsch-polnische Kulturzeitschrift“, sagt er mit einem gewissen Stolz.
„Es gibt kein Periodikum, das sich auf vergleichbarem Niveau nicht nur dem polnischen Leben in Deutschland oder dem deutsch-polnischen Austausch widmet, sondern diese eng miteinander verwobenen Themenbereiche selbstverständlich miteinander verknüpft“, meint der Slawist Reiner Mende, einer der „Zarys“- Autoren. Um Gemeinsamkeiten und Auseinandersetzung in den deutsch-polnische Wechselbeziehungen, um Verständigung, die nicht nur Phrase bleibt, geht es Autoren um Chefredakteur Ulfik und Literaturredakteur Piotr Roguski.

Der im oberschlesischen Königshütte (polnisch: Chorzów) aufgewachsene Pole Ulfik, der 1987 nach Deutschland kam und seit 1998 in Messel wohnt, sieht sich dabei als Vermittler. Polnische Einwanderer haben wenig Integrationsprobleme, meinen die „Zarys“- Herausgeber. Trotzdem bleibe für die etwa 200 000 Polen, die derzeit in Deutschland leben und arbeiten, ebenso wie umgekehrt für die Deutschen viel aufzuarbeiten. Unbestreitbar seien etwa die Nachwirkungen zweier Weltkriege: Feindbilder, Vorurteile und Stereotypen auf beiden Seiten, die das Verhältnis noch heute belasten. Als Immigrant werde „jeder, der einen polnischen Akzent spricht, auch wenn er Deutscher ist, hier als Pole gesehen“, sagt Ulfik, „und Polenwitze sind ja auch im deutschen Fernsehen erlaubt.“
Doch habe sich auch durch Polens EU-Eintritt und seinen wirtschaftlichen Aufschwung, „schon manches getan. Sogar mit der sogenannten polnischen Wirtschaft geht es aufwärts, und das Meinungsklima ändert sich.“ Literatur-Enthusiast seit seiner Kindheit, in der er polnische und US-Autoren in polnischer Übersetzung verschlang, hat sich Ulfik gemeinsam mit deutschen und polnischen Autoren und Slawisten den Dialog zur Aufgabe gemacht.
„Schon jeher haben polnische Emigranten im Ausland Zeitschriften gegründet. Nach der letzten großen Auswanderungswelle der achtziger Jahre, nachdem in Polen das Kriegsrecht herrschte, lief das nicht anders“, sagt er. Aufgewachsen im deutsch geprägten oberschlesischen Kohle- und Stahlrevier, besitzt er längst die deutsche Staatsbürgerschaft. Doch viele Ende der Achtziger und in den Neunzigern gegründete polnische Literatur- und Kulturzeitschriften scheiterten, „vor allem an Geldmangel und der Schwierigkeit, engagierte Mitarbeiter zu finden“, meint Ulfik. In Messel hätten sich allerdings „eine Handvoll Unverdrossener zusammen gefunden, die den Gesetzen des Marktes trotzen“. Autoren und Redakteure verzichten auf Honorare, trotzdem bleiben den Idealisten jedes Jahr Geldnöte. Seit der Verein seine Mitgliedsbeiträge für die Herstellung des Magazins spendet, die Druckkosten vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert werden und das Heft zu günstigeren Preisen in Polen gedruckt wird, haben die Sorgen etwas nachgelassen, doch ein zunehmender Heftumfang, Übersetzungshonorare, Druck- und Vertriebskosten, auch für den Eigenverlag, sind ebenfalls gestiegen.
Stand im „Zarys“- Gründungsjahr 2001, als Ulfik das Magazin zusammen mit dem polnischen Priester-Poeten Jerzy Szymik und dem polnisch-jüdischen US-Immigranten Wilhelm Dichter aus der Taufe hob, noch eher die Selbstverständigung polnischer Exilautoren im Vordergrund, hat sich das Editionskonzept grundlegend weiter entwickelt. „Es gab immer mehr deutsche Leser, und so wollten wir das Heft nicht mehr nur für Polen machen“, sagt Ulfik.
Seit 2007 zweisprachig ist auch die Leserzielgruppe ständig gewachsen, Belegexemplare gehen inzwischen unter anderem an deutsche Bibliotheken und Universitäten, an polnische Institute in Düsseldorf, Leipzig und Berlin und an polnische Buchhandlungen in Deutschland. Nach den zweisprachigen Lyrik -Editionen der Redaktionsmitglieder Piotr Roguski („Was gehen mich die Deutschen an“, 2007) und dem Lyrikband von Jerzy Szymik (2008) hat „Zarys“ letztes Jahr auch Peter Lachmanns „Gleiwitzer Hamlet“ in Polnisch herausgebracht. Krzysztof Maria Zaluskis „Aussiedlerblues“, den „Zarys“ in Ausschnitten veröffentlichte, soll dieses Jahr als Buch erscheinen. Der Verein will 2011 dazu auch wieder Autorenabende in Darmstadt und Messel organisieren.

Antykwariat - tania książka
Thomas H. Barczyk

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