Rainer Mende

Warum Zarys so einzigartig ist

 

Als Polonist, der sich seit vielen Jahren mit der polnischen Kultur in Deutschland befasst, kenne ich die Geschichte polnischer Presseerzeugnisse aus deutschen Landen gut. Sie ist so lang wie wechselhaft. Immer wieder haben engagierte Einzelpersonen und Gruppen versucht, regelmäßig erscheinende Publikationen herzustellen. Dabei zeigte sich vor allem eines – je unabhängiger sie sein wollten, desto schwerer hatten sie es.

 

Dabei kann „unabhängig“ zweierlei bedeuten. Zum einen kann man sich bemühen, unab­häng­ig von Institutionen und wirtschaftlichen Unternehmen zu sein. Wollte man sich also weder von Anzeigenkunden noch von einer Vereinigung die inhaltliche Ausrichtung diktieren las­sen, musste man auf anderen, schwierigeren Wegen zu den nötigen finanziellen Mitteln kommen.

 

Andererseits kann man sich bemühen, unabhängig vom Massengeschmack zu bleiben. Dieser Punkt hat sich gerade für deutsche Polonica als ebenso schwierig erwiesen. Trotz einer großen potenziellen Zahl an Lesern hat sich gezeigt, dass sich für anspruchsvolle Inhalte nur verhält­nis­mäßig wenig Leser mobilisieren lassen. Qualitativ hochwertige polnischsprachige Kultur­zeit­schriften aus Deutschland wie Archipelag, Pogląd, Bundesstrasse 1 oder Kolano haben alle eines gemeinsam – es gibt sie seit langem nicht mehr.

 

Genau deshalb ist Zarys so wichtig. Die Zeitschrift hat sich von Anfang an in jeglicher Hin­sicht um Unabhängigkeit bemüht. Weder hat sich das Heft zum (in)offiziellen Organ einer Institution gemacht noch darum bemüht, durch seichte Inhalte möglichst große Publika zu erreichen. Stets stand die Qualität im Vordergrund. Und Qualität hieß bei Zarys von Beginn an auch Dialog.

 

Anstatt eine kleine polnischsprachige Insel in einem dominierenden deutschen Umfeld aufzu­bauen, die sich selbst genügt, richtete man stets die Aufmerksamkeit auf die Interaktion mit der unmittelbaren Umwelt. Themen werden für Zarys meist dann spannend, wenn sie an der Grenze mehrerer Kulturen liegen. Folglich erscheint es nur logisch, dass mit dem sechsten Heft erstmalig eine Ausgabe erschien, die sich gleichermaßen an deutsche und polnische Leser richtet.

 

Ich hoffe, dass diese Strategie von Lesern ebenso wie von Förderern honoriert wird. Zarys ist wichtig für den deutsch-polnischen Zeitschriftenmarkt, denn das Heft ist einzigartig. Es gibt kein Periodikum, das sich auf vergleichbarem Niveau nicht nur dem polnischen Leben in Deutschland oder dem deutsch-polnischen Austausch widmet, sondern diese eng miteinander verwobenen Themenbereiche selbstverständlich miteinander verknüpft. Dieses Verfahren hat Zukunft – und ich hoffe, dass Zarys noch eine lange Zukunft vor sich hat.

 

Rainer Mende

Doktorand der polonistischen Literaturwissenschaft an der Universität Leipzig

Antykwariat - tania książka
Thomas H. Barczyk

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