Erhard Brödner

 

Die polnischen Freiheitsbestrebungen und die deutsche Sympathiebewegung von 1832 (Hambacher Fest)

 

 

     Das Böse ist immer interessanter, wie jede Zeitungslektüre zeigt. Das Böse bleibt besser im Gedächtnis haften. Das Böse zwischen den einzelnen Völkern sind vor allem die Kriege. Es ist daher kein Wunder, dass diejenigen, die selbst, oder deren Angehörige in einem Krieg viel erlitten haben, in ihren Herzen häufig ewigen Groll, ja Hass, gegen die „andere Seite“ tragen, erworbene oder ererbte Überzeugungen und Vorurteile durch das Wachhalten der Erinnerungen an die Leidenszeiten bestätigend. Und solcher Leidenszeiten zwischen Polen und Deutschen, wovon ganz besonders die Polen betroffen waren, gab es gerade in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. genug. Es ist eine in ziemliche Vergessenheit geratene historische Wahrheit, dass die Deutschen und Polen jahrhundertelang in Frieden miteinander lebten, die Grenze zwischen dem Königreich Polen und dem Deutschen Reich über viele Jahrhunderte die friedlichste in ganz Europa war – im Gegensatz z.B. zur deutsch-französischen Grenze - und die einzigen kriegerischen Auseinandersetzungen, im 14. und 15.Jhdt. waren die, welche zwischen Polen und dem Deutschen Orden stattfanden, den in Polen sog. „Kreuzrittern“ (Krzyżacy), was sich im polnischen National-Gedächtnis als eine Auseinandersetzung mit den Deutschen festsetzte. Dass der Deutsche Orden ein geistlicher Ritterorden war, dessen Territorium nicht zum Deutschen Reich gehörte, das auch an diesen Kriegen nicht beteiligt war; dass der Orden unmittelbar dem Papst, nicht aber dem Kaiser untertan war; dass zusammen mit den preußischen Städten und dem Culmer Landadel auch die mächtige Stadt Danzig, trotz ihrer überwiegend deutschen Bevölkerung, gegen den Orden revoltierte, sich in dem Krieg 1453-1466 auf die Seite Polens stellte und dann bis 1793 polnisch blieb; das alles blieb insoweit weitgehend unbeachtet. Und trotz jahrhundertelangem Frieden zwischen dem Deutschen Reich und dem Königreich Polen waren die gegenseitigen Verhältnisse zwischen Polen und Deutschen, sowohl als Folge des mittelalterlichen Zuflusses deutscher Siedler, wie auch der kulturellen Entwicklung – katholische Adelskultur in Polen, mehr protestantisch geprägte bürgerliche Kultur in Deutschland – nicht ungetrübt, was die gegenseitigen überwiegend negativen Vorurteile und Stereotypen beweisen. Der seinerzeit auch in Deutschland nicht unbekannt gewesene polnische Barockdichter Waclaw Potocki fasste das 1688 in dem Epigramm zusammen:

 

     „Nie Pole und Deutscher in ehrlicher Eintracht lebten,
     Den Polen Dünkel, den Deutschen Freiheit zum Zorn regten.
     Daher die Redewendung, dass solang die Welt sich dreht,
     Niemals der Deutsche zu dem Polen wie ein Bruder steht.“

 

     Die Freiheiten des zahlreichen polnischen Adels, die dieser der Abtrotzung von Privilegien in den Königswahlen zu verdanken hatte, hätte übrigens der deutsche auch gerne gehabt, es kam deshalb sogar zu Anfang des 16. Jahrhunderts zu einer Rebellion des benachbarten brandenburgischen Adels, die jedoch vom Kurfürsten Joachim I. schnell unterdrückt wurde; literarisch verewigt im bekannten Roman „Die Hosen des Herrn von Bredow“ von Willibald Alexis.
     Die gegenseitigen Vorurteile zwischen Polen und Deutschen nahmen mit wachsendem Nationalbewußtsein in Europa noch zu. So war der Nationaldiskurs der Deutschen, wie auch ihr Diskurs im Verhältnis zu Polen, deutlich liberal-protestantisch, in dem das katholische Polen am häufigsten als das negative Kontrastbild zum selbstgeschaffenen Autostereotyp des deutschen Bürgertums dargestellt wurde, der solche bürgerlich-protestantische Tugenden wie Ordnung, Fleiß, Vernunft und Mäßigung enthielt, die die Deutschen als deutsche Eigenschaften betrachteten. Der in der Wende vom 18. zum 19. Jhdt. berühmte, aus Danzig stammende Gelehrte und Reisende Johann Georg Adam Forster (1754-1794), der übrigens in die deutsche Schriftsprache den Begriff „Polnische Wirtschaft“ einführte und das in seinen Briefen aus den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts begründete, beurteilte interessanterweise fast mit denselben Worten in seinem späteren Werk Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich, im April, Mai und Junius 1790 die katholische Bevölkerung Aachens und Kölns, wo sich seiner Meinung nach Untätigkeit und fehlende Effektivität, Unwissen und Unvernunft, Aberglaube und religiöser Fanatismus, Begeisterungstaumel und Grenzenlosigkeit, Schmutz und Krankheiten breitmachten – was alles im Gegensatz zu den bürgerlich-protestantischen sog. 'deutschen' Eigenschaften stand.

     So gesehen waren die damaligen Stereotypen wohl mehr konfessioneller Natur. Und so gesehen erübrigt sich auch die Frage nach der Konfession des Herrn Forster; trotzdem überprüft – sein Vater war eigentlich reformierter Pastor. Aber zurück zum Thema.
     Der sich im 19. Jhdt. entwickelnde Nationalismus, der seine Entartung in Deutschland dann in dem verbrecherischen Nazismus fand, führte dazu, dass das Nationalgedächtnis beider Völker schließlich nur das zu umfassen schien, was negativ war, was besonders auf polnischer Seite – nach dem verbrecherischen Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen mit anschließendem, ebenso zu bezeichnenden Besatzungsregime – nicht verwunderlich war. Aber wenn auch die  historische Wahrheit das Aufzeigen von Schuld und Leiden verlangt, so doch nicht nur, denn die Beschränkung nur hierauf würde nicht nur für die Zukunft, für ein gutnachbarliches Verhältnis im vereinten Europa, nichts bringen, sondern kontraproduktiv sein; vom christlichen Aspekt ganz zu schweigen. Das Negative im deutsch-polnischen Verhältnis soll auch nicht Gegenstand dieses Vortrags sein; im Gegenteil, ich möchte daran erinnern, dass es auch andere Zeiten gab, derer in Deutschland und Polen zuwenig gedacht wird, die sogar weitestgehend vergessen sind. Ein Beispiel hierfür ist die deutsche Sympathiebewegung nach dem polnischen Novemberaufstand 1830 bis 1832 einschließlich und das sog. „Hambacher Fest“. Denn Geschichte ist eben nicht nur die Erinnerung an große Gestalten, an Kriege, Siege und Niederlagen, an das zugefügte und erlittene Böse; sondern auch die Erinnerung an alles Gute und Edle, das sich zwischen Nationen und einzelnen Menschen zugetragen hat, gerade auch den so oft übergangenen einfachen und kleinen Bürgern.

 

     Als am 29. November 1830 in Warschau der sog. Novemberaufstand ausbrach, war das für ganz Europa eine große Überraschung. Die „Kölnische Zeitung“ brachte hierzu unter dem 15. Dezember 1830 einen Abdruck aus der „Preuss. Staatszeitung“, in dem es eingangs heißt:
      „Das Jahr 1830, das so vielversprechend für das mitten im ungestörtesten Frieden befindliche Europa begann, hat für diesen Weltteil Erschütterungen herbeigeführt, die, je unerwarteter sie für einen großen Teil der Länder kamen, die unmittelbar davon betroffen wurden, auch um so empfindlicher in ihren Folgen für dieselben sein dürften. Nachdem Russlands Heer sich im vorigen Jahre einen ebenso glänzenden als großmüthigen Friedensschluß erkämpft hatte, nachdem Russlands Herrscher in demselben Jahre von seinem Königreiche Polen mit so allgemeinem und ungeheucheltem Jubel begrüßt worden war, durfte Niemand es wohl nur für möglich halten, dass sobald darauf der innere Friede und der zusehends wachsende Wohlstand in diesem Königreiche auf eine erschütternde Weise gestört werden würden, und dass die verhängnisvollen Verordnungen, die in einem südwestlichen Staate Europas eine neue Ordnung der Dinge hervorgerufen, [gemeint ist die Pariser Julirevolution 1830] einen verderblichen Einfluß auf die anscheinend so gesicherte Ruhe entfernter nordischer Länder ausüben könnten. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel ist wohl dem ganzen Polen die Nachricht von den Vorgängen der letzten Tage des Novembers gekommen; so unerwartet waren diese, dass wir ihren Zusammenhang, ihren Ursprung, und ihre Geschichte uns hier auch jetzt noch nicht zu erklären wissen und nur aus einzelnen, sowohl mündlichen als in den Warschauer Zeitungen aufgenommenen Nachrichten ein einiger Maßen übersichtliches Ganzes zusammenzusetzen vermögen ...“. Es folgte nun eine eingehende Zusammenfassung der Ereignisse, beginnend mit einer von den Behörden als unerheblich geachteten Spur einer Verschwörung; dem Sturm einer Handvoll Kadetten der Warschauer Offiziersschule und Studenten auf das Schloß Belvedere, der Residenz des Großfürsten Konstantin, dem es gelang, sich in die russischen Kasernen zu retten; dem gleichzeitigen Sturm der Kadetten und zweier Bataillone des 4. polnischen Infanterieregiments auf das Zeughaus und der anschließenden Bewaffnung „des Pöbels“; der schrecklichen Nacht, in der alle vermeintlichen Russen, derer man auf den Straßen habhaft werden konnte, niedergemacht wurden; dem Rückzug des Großfürsten und der russischen Regimenter aus Warschau; den erst nach einigen Tagen erfolgreichen Bemühungen der polnischen Behörden und der einflussreichsten Mitglieder der polnischen Aristokratie, für Ordnung und Ruhe in Warschau zu sorgen; der Übernahme des Oberbefehls über die polnischen Truppen durch den alten napoleonischen General Chłopicki; usw. - alles Nachrichten, die schon in den Tagen zuvor in der vorgenannten „Kölnischen Zeitung“ in Bruchstücken gebracht worden waren, ebenfalls zitiert aus anderen Zeitungen, aber vor allen aus solchen, die nicht der von allen deutschen Pressezensuren schärfsten preußischen Zensur unterlagen, um so ein etwas objektiveres Bild der Geschehnisse zu erlangen. Die von der „Kölnischen Zeitung“ aus welchen Gründen auch immer, auch Anweisung „von oben“ erscheint insoweit durchaus wahrscheinlich, zitierte „Preuss. Staatszeitung“ beendete ihren eingehenden, in einem für sie charakteristischen prorussischen Geist gehaltenen Bericht mit der überraschenden Wendung, dass nämlich noch nicht alle Hoffnung zur Wiederherstellung der Ruhe verloren sei, wenn die polnischen Wünsche der Wiederangliederung der nach den Teilungen unmittelbar an Russland angeschlossenen ehemaligen polnischen Ostprovinzen an das Königreich (so wie es seinerzeit Alexander I. versprochen haben soll) und der strikten Einhaltung der bestehenden Konstitution sich erfüllten, dann würden „... sich die Wünsche aller Vernünftigen in der Person des jetzigen Herrschers vereinigen“. Zar Nikolaus I. dachte jedoch nicht im entferntesten daran. Schon Alexander I. hatte ja nicht im Traum daran gedacht, die wohl eher leichtfertig dahergesagte Zusage bezüglich der ehemaligen polnischen Ostprovinzen zu erfüllen, er nahm auch auf die von ihm selbst seinem kleinen Königreiche Polen erteilte Verfassung wenig Rücksicht.  So verwandelte sich die Autonomie des Königreichs (auch Kongresspolen genannt, weil auf dem Wiener  Kongress 1815 geschaffen) langsam in eine Halbautonomie. Stellte das von lauter absolutistischen Staaten umgebene kleine Königreich erstaunlicherweise de iure auch so etwas wie eine Demokratie, wenn auch des Adels, dar (wobei das Wahlrecht sogar einem verhältnismäßig höheren Prozentsatz der Bevölkerung zustand als in England), so sah die tägliche Praxis jedoch anders aus: Polizeiliche Dauerüberwachung, Knebelung des freien Wortes durch die Zensur, die Gewalttaten des Großfürsten Konstantin in der Armee, usw. Die Behebung dieser Missstände erhoffte man sich in Polen vom Nachfolger, daher der  begeisterte Empfang im Jahr zuvor. Dem folgten jedoch schnell Enttäuschung und Ernüchterung; Nikolaus I. war nicht nur zu keinem Entgegenkommen bereit, vielmehr verwandelte er sehr schnell die Halb- in eine Viertelautonomie, und von Konstitutionen hielt er überhaupt nichts. Das waren die Ursachen für den polnischen Meinungsumschwung und die Revolution, die sich die „Preuss. Staatszeitung“ nicht erklären konnte!                            
     Auch die weitere Entwicklung wurde in ganz Deutschland mit großem Interesse verfolgt, wie die sehr umfangreiche Berichterstattung in der deutschen Presse beweist. Erst über den Rückzug des Großfürsten Konstantin mit den russischen Regimentern – der die bei ihm verbliebenen, aus nur 2 Regimentern bestehenden polnischen Truppen zurückschickte (das kleine Königreich Polen hatte eine eigene kleine Armee von 30.000 Mann, deren Oberbefehlshaber Konstantin gewesen war). Dann über die Wiederherstellung der Ordnung durch eine neue polnische Regierung; über die Drohungen des Zaren, der sich auf keine Verhandlungen mit den Rebellen einlassen wollte; über die einstimmige Absetzung des Zaren als König von Polen durch den polnischen Reichstag, den Sejm; über die Ansammlung russischer Truppen hinter der Grenze, die im Februar 1831 unter dem Befehl des Feldmarschalls Diebitsch auf Warschau losmarschierten; alsdann über die blutige Schlacht bei Grochów, einem Warschauer Vorort  rechts der Weichsel, wo am 25. Februar 1831 etwa 16.000 Polen gegen 40.000 Russen kämpften. 
     Die Berichterstattung war – wie zuvor schon kurz erwähnt – in den Staatszeitungen (die meisten deutschen Staaten verfügten über eine solche) und den regierungsnahen Blättern prorussisch; es war beispielsweise die Rede von der „in die Irre geführten polnischen Nation“; das Pathos polnischer Zeitungen wurde ausgelacht; ein schneller Fall des Aufstands prophezeit; erste Erfolge der Polen zwar erwähnt, aber sogleich als unglaubwürdig bezeichnet. Selbst Zeitungen die außerhalb Preußens  erschienen, somit der strengen preußischen Zensur nicht unterlagen, von zum Teil sogar recht liberalen Herausgebern, schienen zunächst den polnischen Darstellungen skeptisch gegenüber zu stehen, so zitierte die „Leipziger Zeitung“ ein Schreiben aus Warschau vom 21. Februar 1831 mit der Bemerkung, dass darin die Kriegseregnisse wohl günstiger dargestellt würden als sie sich in Wirklichkeit zu verhalten schienen. Und die „Kölnische Zeitung“ zitierte dann laufend derartige Zeitungsberichte aus dem vorgenannten und anderen deutschen Blättern, auf diese Weise die strengere einheimische preußische  Zensur umgehend. An Hand der ebenfalls aus Zitaten nichtpreußischer Blätter bestehenden weiteren Nachrichten über den Verlauf und das Ergebnis dieser Schlacht – nämlich das Zurückschlagen der nahezu dreifach überlegenen Russen, die sich  bis Płock zurückzogen – war sehr deutlich das Anwachsen der Sympathien für die polnische Sache zu ersehen. Hingegen berichtete die „Preuss. Staatszeitung“ über lahmende Widerstandskraft der Polen, dass die Bevölkerung Warschaus auf eine Kapitulation drängen würde, Praga (der rechts der Weichsel liegende Stadteil Warschaus) mit hohen Verlusten der Polen gestürmt und abgebrannt sei, was schon tags darauf zu berichtigen war, usw. Noch unter dem 13. März 1831 wurde die Nachricht der „Preuss. Staatszeitung“ zitiert, dass die Schlacht bei Grochów eigentlich mit einem russischen Sieg beendet wurde, weil die polnischen Verluste um ein Vielfaches  höher seien als die russischen von 5.000 Mann. Für Herausgeber und Leser musste sich die Frage stellen, wem man denn eigentlich Glauben schenken könne, denn schon im Supplement vom 14. März berichtigte die „Kölnische Zeitung“, dass die Verluste der Polen 5.000 Mann betragen, die der Russen jedoch 15.000! Als all dem amtlicherseits nicht mehr widersprochen wurde, war für den Leser klar, dass die regierungsnahe Presse insoweit parteiisch und voreingenommen, ja unglaubwürdig geworden war. An der einseitigen Darstellung der Geschehnisse in Polen durch die regierungsnahe Presse änderte sich in der Folge nichts; die polnischen Erfolge in der ersten Jahreshälfte 1831 wurden heruntergespielt, Gräueltaten der sich nach dem polnischen Sieg bei Iganie erneut zurückziehenden Russen und das schreckliche Massaker an der Zivilbevölkerung von Oszmiana wurden verschwiegen.
     Dieses sich in der freieren Presse widerspiegelnde, schon allein durch den Umfang der Berichterstattung ersichtliche wachsende Interesse der Bürger der deutschen Länder, auch  Preußens, fand sein Äquivalent in der deutschen Literatur, insbesondere der Lyrik. Landauf landab wurde in hunderten von Gedichten der heldenmütige Kampf der Polen gegen die Barbaren aus dem Osten, als die die Russen ganz allgemein in der europäischen Öffentlichkeit angesehen wurden, begeistert besungen. Es entstand so eine literarische Gattung sui generis: die sogenannten Polenlieder. Obwohl diese Polenlieder im Hinblick auf ihre zeitbedingte Tendenz weitgehend in Vergessenheit gerieten, sind sie bis heute als die Stimme des deutschen Volkes ein wichtiges Zeugnis der damaligen  aufrichtigen Sympathie und des gemeinsamen Verlangens nach Freiheit. Die Palette der Dichter dieser vor allem propolnischen Gedichte war groß, sie reichte von solchen bekannten Dichtern wie August von Platen, Nikolaus Lenau, Julius Mosen, Ernst Ortlepp, Harro Paul Harring, Gotthilf August von Maltitz, Moritz Veit, Karl von Holtei, Friedrich Wilhelm Rogge, Ludwig Uhland, Justinus Kerner, Gustav Schwab, zu einer ganzen Reihe weniger bekannter, heute schon gänzlich in Vergessenheit geratener Dichter. Zu den bekanntesten dieser Polenlieder zählte auch die eine wahre Begebenheit schildernde Ballade von Julius Mosen, Die letzten Zehn vom vierten Regiment, die sich - in der sehr schnell erfolgten vorzüglichen Übersetzung von Jan Nepomucen Kamiński - in Polen sogleich großer Beliebtheit erfreute und sich sogar noch bis zum heutigen Tag erfreut :


        „In Warschau schwuren Tausend auf den Knien:
        Kein Schuss im heil'gen Kampfe sei getan,
        Tambour, schlag an ! Zum Blachfeld laß' uns ziehen!
        Wir greifen nur mit Bajonetten an!
        Und ewig kennt das Vaterland und nennt
        Mit stillem Schmerz sein viertes Regiment!“...


     Anschließend wurde dann die polnische Niederlage im Herbst 1831 beklagt. Dazu erlaube ich mir den Schlußvers aus dem Warschau tituliertem Gedicht von Franz Grillparzer, mit dem Appell an die erneut ins kühle Grab hinabsteigende Freiheit, zu zitieren:


        „Doch hüte dich, zu fest, zu lang zu schlafen,
        Hat ja kein Winter ewig noch gethront,
        Und wenn im Mai erst laue Strahlen trafen,
        Kömmt Juli auch, der holde Erntemond.“...


     Zum gleichen Thema dichteten auch August von Platen (Warschaus Fall) und Harro Harring (Als Warschau unterlag ).
     Die Polenlieder dienten nicht nur dem Ruhm des heldenhaften polnischen Aufstands: „Die Befürworter einer moralischen und politischen Wiedergeburt Deutschlands erblickten im Kampf der Polen Ziele und Muster, die sie der eigenen Gesellschaft in Erinnerung bringen wollten“ – schrieb der Literaturhistoriker Piotr Roguski und zitierte in der Fortsetzung seiner Ausführungen aus dem 1831 (bezeichnenderweise in Paris!) erschienenen Poem Polonia des Freiherrn Gotthilf August v. Maltitz:


      „Sehet Deutsche! Und fühlt gleiche Triebe!
      Seht! Dies nennt man Vaterlandesliebe.
      Seht es trauernd, ach! Zu eig'nem Leid!
      Lernt von den Sarmaten, Deutsche werden!
      Und ihr heißt das erste Volk auf Erden,
      Wo ihr jetzt beinah' das letzte seid.-“


     Es gab aber auch zahlenmäßig geringe Gegenstimmen: Russland bemühte sich nicht nur durch Einflussnahme und Druck auf die deutschen Staaten über die Zensur, über eine propagandistische einseitige und sogar verfälschende Darstellung der Geschehnisse in regierungsnahen Blättern, das hervorgerufene negative Bild zu korrigieren; man bemühte hierfür sogar die Literatur. So empörte sich Alexander Puschkin in dem Gedicht An Russlands Lästerer, den Aufstand als eine niemanden etwas angehende innerrussische Angelegenheit darstellend und den Deutschen Undankbarkeit für die Befreiung von Napoleons Knechtschaft vorwerfend:


        „Was tobt Ihr auf den Rednerbühnen,
        Woher der Groll mit dem Ihr gegen Russland schäumt?“...


     Dieses Gedicht, geschrieben am 16. August 1831, erschien mit drei anderen (davon eins von Wassilij Żukowski, dem Russischlehrer der Kaiserin Alexandra Fjodorowna – der Tochter Friedrich Wilhelms III – und eins von Alexiej Chomjakow, dem slawophilen Sänger der Orthodoxie) bereits am 22. September 1831 (!) in Petersburg in deutscher Übersetzung unter dem Titel Der Polen Aufstand und Warschaus Fall. In Deutschland gehörte zu den wenigen der polnischen Sache abgeneigten Dichtern Ernst Moritz Arndt, der die territoriale Integrität Preußens im Sinne hatte, den früheren Generationen der Polen die Schuld für die Teilungen zuschrieb und nationalistisch das Selbstbestimmungsrecht, das er für die Landsleute im Elsass forderte, den Polen absprach. Aber am meisten tat sich insoweit Friedrich August von Staegemann hervor, an erster Stelle mit seinen Vier lyrischen Gedichten zur Erinnerung an die Jahre 1830 und 1831. Zu den bekannteren der wenigen prorussischen Dichter zählten noch Friedrich Tietz (der unter dem Pseudonym Fedor Iwanowitsch scheinbar als Russe Worte eines Russen an die Deutschen – so der Titel – richtete), ferner Ludwig Falkenstein und Karl Friedrich Strass, auch unter Pseudonymen.  Prof. Roguski, der mehrere sehr eingehende Bücher zur Thematik der sog. Polenlieder verfasst hat – Poezja i czyn polityczny (Poesie und die politische Tat), Warschau 1993, Dzielny kosynier i piękna Polka (Der tapfere Sensenmann und die schöne Polin), Kattowitz-Warschau 2004, Słodkie imię wolności (Der süße Name der Freiheit), Warschau 2011; alle leider bislang nicht ins Deutsche übersetzt – nennt die prorussischen Propagandagedichte kurz und treffend Russenlieder.         
 
     Im Frühjahr 1831 folgten dann den Worten die Taten – der schriftlichen und mündlichen Polenbegeisterung in Deutschland, die spontanen freiwilligen materiellen Hilfeleistungen durch die Bürger, vor allem – aber nicht nur – im Süden und Südwesten Deutschlands. Einem Hilferuf der Leitung der polnischen Militärhospitäler folgend zogen  mindestens 78 junge deutsche Ärzte nach Polen. In bürgerlichen Hausfrauenkränzchen wurde für die Verwundeten „Scharpie gezupft“, die mit anderem Verbandsmaterial, medizinischen Geräten und Medikamenten nach Polen gebracht wurden, und zwar in recht stattlichen Mengen, so hatte z.B. die Weinhandlung Peter Gebhard aus Frankfurt a.M., die den Transport der ihr aus Baden zugesandten Verbandsmaterialien nach Polen organisierte, allein aus der Stadt Karlsruhe 12.276 Pfund erhalten (!), was freilich ein Rekord war. Derartige Hilfeleistungen kamen selbst aus Berlin, wo sich Prinzessin Friederike Dorothee von Preußen, die Ehefrau des Fürsten Anton Radziwill, selbst um das gute Funktionieren der Sammlungen und den Versand kümmerte. 
     Um die Sammlung von Hilfsmaterialien und auch Geldspenden zu organisieren und koordinieren entstanden in vielen Städten Deutschlands – mit Ausnahme Preußens, wo es verboten war – entspr. Hilfskomitees, die sog. Polenvereine, gegründet von liberalen Bürgern. Nach dem ordre public konnten natürlich Personen der den Regierungen nahestehenden Kreise sich hieran nicht beteiligen. Diese Vereine wurden von den meisten nicht-preußischen Regierungen als satzungsgemäß karitative Organisationen geduldet, zumal aus gutem Grund viele dieser Vereine ausdrücklich deklarierten, dass die Hilfe auch russischen Verwundeten zukommen solle. Die Badische Post beförderte die Verbandsmaterialien übrigens portofrei, desgleichen auch die alte, seit 1490 bestehende Thurn-und Taxis'sche Post (ab 1806 nicht mehr Reichspost, sondern Privatunternehmen), selbst die Königlich (Preussische) Preußische Post beförderte entgeltlos, allerdings besteht Grund für den nicht nur polnischerseits entstandenen Verdacht, dass ein nicht unbeachtlicher Teil hiervon direkt an die  Russen übergeben wurde (so wunderte sich z.B. der vorerwähnte Peter Gebhard darüber, dass ein großer Teil der von ihm auf den Weg gebrachten Hilfsgüter nicht in Warschau ankam). In Leipzig wurde am 16. Juni 1831 ein Dankesbrief des Grafen Lubieński, des Präsidenten der Generaldirektion der Warschauer Militärhospitäler, veröffentlicht; Graf Lubieński wandte sich in weiteren Dankesschreiben auch an die Polenvereine in Mannheim und Freiburg. Ähnliche Dankesschreiben für die medizinischen Hilfsgüter kamen auch von anderen leitenden Persönlichkeiten, wie  z.B. dem Befehlshaber der Nationalgarde Graf Ostrowski.
     Besondere Bedeutung erlangten die Polenvereine nach der Niederschlagung des Aufstands, als weit über zehntausend Flüchtlinge, die auf preußisches  und österreichisches Gebiet übergetretenen polnischen Armeeangehörigen, die auf den regierungsamtlich vorgeschriebenen Strecken die  deutschen Staaten (Sachsen, Kurhessen, Bayern, Württemberg, Baden) auf ihrem Weg in das Asyl gewährende Frankreich durchquerten, überall von der Bevölkerung mit ostentativer Herzlichkeit empfangen wurden. Der polnische Historiograph dieser in Polen sog. „Großen Emigration“, Lubomir Gadon, beschrieb den Durchmarsch der polnischen Krieger durch Deutschland zusammenfassend: dass ... nach dem Verlassen Preussens von der sächsischen Grenze an, ein Pole nach Frankreich gelangen konnte, ohne seine Geldbörse ein einziges Mal zu ziehen...; die Aufenthalte und Übernachtungen wurden überall unentgeltlich gewährt ...; wenn man sie in die nächste Stadt weitersandte, sang man zum Abschied „Noch ist Polen nicht verloren“ und das Lied war damals in Deutschland so populär wie in Polen...; die Städte und Ortschaften übertrafen sich gegenseitig in der Gastfreundschaft ...; die Städte schmückten sich festlich ...; auf den Gesichtern der Einwohner zeichnete sich große Bewegung ab ...; man dachte nicht nur an ihre Bedürfnisse sondern bemühte sich, die Polen zu erfreuen und ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten ...; an vielen Orten traf man in großer Zahl mit Polen zusammen – feierlich, mit Fahnen, Gesang und Musik, Ansprachen und deklamierten Gedichten ...; man rief: „Es lebe Polen! Es lebe die Freiheit! Hinweg mit den Tyrannen!“...; Kaufleute nahmen kein Geld von Polen an...; auf den Straßen zeigten Mütter ihren Kindern die Polen und hielten sie an, zu ihnen zu gehen und ihnen die Hände zu schütteln...; abends wurden zur Ehre der Polen verschiedene Konzerte, Bälle, Redouten, Festessen und auch Trinkgelage veranstaltet ...; man verabschiedete die Weiterreisenden mit Rührung und guten Wünschen ...; usw., usw.  In den auf den Durchgangsstrecken liegenden Städten waren die Polenvereine nicht nur mit dem Sammeln von Hilfsmitteln, jetzt insbesondere auch erheblicher Geldmittel, für die Flüchtlinge befasst, sie organisierten dort auch deren Begrüßung und Bewirtung, auch Unterbringung. Das klappte  in der Regel so vorzüglich, wofür sich sowohl die persönlich Betroffenen, wie auch die leitenden Persönlichkeiten der Emigranten (darunter auch Mickiewicz, J. Lelewel und Fürst Czartoryski) überschwenglich bedankten, dass häufig sogar die örtlichen Behörden, die sich amtlicherseits um den Transfer zu kümmern hatten, auf die Tätigkeit der Polenvereine zurückgriffen. Einzufügen ist, dass aus politischen Gründen, um die als „Sturmvögel der Revolution“ beargwöhnten polnischen Emigranten schnell nach Frankreich durchzuschleusen, aber auch der öffentlichen Meinung wegen, auch die Regierungen der von der Durchzugsstrecke betroffenen deutschen Länder sich an den Kosten des Transfers beteiligten; sie zahlten nach preußischem  Vorbild rangmäßig abgestuften Sold, und die preußische Regierung hatte zudem die Polen für die Reise durch den europäischen Winter wohl versorgt: aus Militärbeständen wurden 19.000 Paar Schuhe, 17.000 Hemden, 9.200 Hosen und 1.200 Mäntel neben anderen Wäsche- und Bekleidungsstücken verteilt. Die Regierungen, insbesondere die preußische, taten das sicher nicht aus Liebe, aber sie taten es.
     Die Polenvereine in den Städten entlang der Transferstrecken standen häufig im direkten Kontakt untereinander, ganz allgemein waren diese Verbindungen jedoch eher mehr oder weniger locker. Gleichwohl, gerade des liberalen Hintergrundes wegen, wurden die Polenvereine nicht nur zu einem politisch-organisatorischen Rahmen der „Polenfreundschaft“, sondern brachten auch für die innerdeutsche Entwicklung der Ereignisse eine politische Instrumentalisierung. In seinem Aufsatz Die liberale deutsche Polenfreundschaft und die Erneuerungsbewegung Deutschlands schrieb 1982 Georg W. Strobel: „Die Interdependenz zwischen dieser Politisierung des liberalen Teils des deutschen Bürgertums und der politisch-organisatorischen Funktion der deutschen Polenfreundschaft wird in ihrer Bedeutung für die innerdeutsche politische und organisatorische Entwicklung noch immer viel zu sehr unterschätzt“. Die lokalen Polenvereine oder Polen(-)komitees, wie sie auch genannt wurden, tauschten Erfahrungen aus und begannen mit der Zeit enger zusammenzuarbeiten. Es drängte sich damals die Absicht der liberalen Kräfte auf, durch die Organisierung der propolnischen Bewegung die polnische Sache für die eigenen politischen Ziele auszunutzen. So schrieb der polnische Nationaldichter Mickiewicz 1833 in Paris, dass in Deutschland die Polenkomitees tatsächlich liberale Klubs waren; ein Freund der Polen würde dort dasselbe wie ein Freund der Freiheit bedeuten.  Neben der Organisierung von Hilfeleistungen zu Gunsten der hilfsbedürftigen Polen sahen die aktiveren unter den Protagonisten der sozusagen damaligen „Außerparlamentarischen Opposition“ mittels dieser Polenvereine die große Chance einer Verbreitung freiheitlicher und konstitutioneller und auf die Einheit Deutschlands gerichteter Ideen Das ist in der Geschichtsschreibung seit langem unumstritten, so findet sich schon in einer alten Dissertation aus dem Jahre 1897, den  sog. „Preß- oder Vaterlandsverein 1832/33“ betreffend,  die Einschätzung: „...namentlich die Polenvereine, d.h. solche Vereine, welche sich die Unterstützung flüchtiger Polen zur Aufgabe setzten, verdienen besondere Aufmerksamkeit, denn sie verfolgten unter dem Deckmantel der Polenfreundlichkeit überhaupt liberale Bestrebungen. Solche Vereine gab es allenthalben, so in Stuttgart, Frankfurt, Mainz, Marburg, Kassel und anderswo. Es bedurfte nur einer organisatorischen Kraft, welche all diese zerstreuten Elemente sammelte und auf ein einheitliches Programm verpflichtete. Ein solcher Organisator sollte jetzt in Wirth entstehen“          
      Dr. Johann Georg August Wirth (1798-1848), Publizist, Verleger (von Heine „ein tapferer Ritter ,der Freiheit“ genannt), war ab Winter 1831 bis zu ihrem Verbot im Juni 1832 Herausgeber der  demokratisch-liberalen Zeitung „Deutsche Tribüne“. Wirth, zum Verlassen Münchens gezwungen, siedelte in das im Rheinbayerischen Kreise in der Nähe Hambachs gelegene Homburg über. So auch von Zweibrücken nach Homburg Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1798-1845), Redakteur und Herausgeber des Journals  „Der Westbote“ und der Zeitschrift „Rheinbayern“ (später umbenannt in „Deutschland“). Vor dem Hintergrund der Wiedereinführung der Pressezensur in Bayern (der liberale König Ludwig I. hatte sie 1825 abgeschafft) und auch der durch den (preussisch) preußisch-hessischen Zollverein noch verschärften wirtschaftlichen Notlage Rheinbayerns, wurden beide zu Sprechern der unzufriedenen Bevölkerung. Von hieraus initiierten beide dann das sog. „Hambacher Fest“, dessen Durchführung vom „Deutschen Vaterlandsverein zur Unterstützung der freien Presse“, kurz Preßverein“ genannt, organisiert wurde. Übrigens wurde dieser Verein durch Wirth in seinem vielbeachteten demagogischen Aufsatz „Deutschlands Pflichten“, in 50.000 Exemplaren verbreitet (!), angeregt und im Januar 1832 von Siebenpfeiffer und dem bayr. Landtagsabg. Friedrich Schüler gegründet. Auf eine von den bayerischen Behörden genehmigte Feier des „Verfassungstages“ am 26. Mai 1832 antworteten Wirth und Siebenpfeiffer mit einem Aufruf, sich am 27. Mai auf der Schlossruine zu Hambach zu einem „Nationalfest“ der Deutschen zu versammeln, einem Fest  „zur Abschüttelung innerer und äußerer Gewalt“, was ein unerwartet großes Interesse hervorrief, daher von den Behörden verboten, später jedoch zugelassen wurde. Dem Aufruf folgten eigentlich alle, die sich aktiv an einer Veränderung des politischen Lebens in Deutschland beteiligten. So auch viele Polen, die über die Polenvereine Kontakte zu liberalen Kreisen geknüpft hatten, in der Hoffnung, dass die revolutionäre Stimmung in Deutschland den Anfang einer „allgemeinen Revolution“ bringen könnte. Am 27. Mai 1832 versammelten sich bei der Hambacher Schlossruine ca. bis 30.000 Personen, die größte Versammlung in Deutschland vor der Märzrevolution 1848. Neben der örtlichen Bevölkerung nahmen an der Versammlung auch Zugereiste aus den Nachbarländern teil, auch Studenten, auch Franzosen und – enthusiastisch begrüßt – Polen mit weiß-roten Fahnen, die auch neben unseren schwarz-rot-goldenen Farben (seitdem als freiheitliche deutsche Nationalfarben angesehen) über dem Hambacher Schloss wehten. Unter den Teilnehmern befanden sich u.a. Ludwig Börne, Harro Harring, Friedrich Funck, Wilhelm Sauerwein (bekannt durch den Spruch „Deutschland ist immer noch ein großer Wald, aber voll Schlagbäumen, und Schlagbäume sind für Fürsten die ergiebigsten Bäume“), ferner Johann Gottfried Eisenmann, der junge Friedrich Stoltze; polnischerseits nahmen als Vertreter verschiedener Emigranten-Organisationen u.a. Tadeusz Krępowiecki, Jan Czyński, Aleksander Świętosławski, Walenty Krosnowski, Ksawery Orański, Franciszek Grzymała und  Bazyli Zatwarnicki teil.   
      In seiner sehr pathetischen Begrüßungsansprache beschwor Siebenpfeiffer: „Es wird kommen der Tag des edelsten Siegstolzes, wo der Deutsche vom Alpengebirge und der Nordsee, der Donau und der Elbe den Bruder im Bruder umarmt, wo die Zollstöcke und die Schlagbäume, wo alle Hoheitszeichen der Trennung und Hemmung und Bedrückung verschwinden...Ja er wird kommen der Tag, wo ein gemeinsames deutsches Vaterland sich erhebt, das alle Söhne als Bürger begrüßt und alle Bürger mit gleicher Liebe umfasst...“ und er schloss mit den Parolen: „Es lebe das freie, das einige Deutschland! Hoch leben die Polen, der Deutschen Verbündete! Hoch leben die Franken, der Deutschen Brüder, die unsere Nationalität und Selbständigkeit achten! Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört! Vaterland – Volkshoheit – Völkerbund hoch!“   
      Dieser 27. Mai der Hambacher Zusammenkunft war den hochtrabend-programmatischen und dabei auch im Grunde sehr realitätsfernen Reden gewidmet, so verlangte Wirth „die vereinigten Freistaaten Deutschlands“ und ein „konföderiertes republikanisches Europa“, und der Burschen-schaftler Brüggemann forderte Elsaß-Lothringen von Frankreich zurück. In von der Sache her eigentlich ähnlichen Reden ging es um die Pressefreiheit und demokratische Rechte, die deutsche Einheit, aber auch die Freiheit für Polen. Zu den Rednern gehörten u.a. auch Philipp Hepp, Christian Scharpff, Daniel Friedrich Pistor,  Johannes Fitz. Letzterer ging besonders auf die polnische Frage ein und meinte, dass die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Polens nicht nur im Namen einer geschichtlichen Gerechtigkeit erfolgen müsse, sondern auch im Interesse der Deutschen liege, denn [ich zitiere]: „Ohne ein freies Polen gibt es kein freies Deutschland. Ohne ein freies Polen gibt es keinen dauerhaften Frieden, gibt es keine Erlösung für andere europäische Nationen.“ [Ende d. Zitats] Reden hielten auch die polnischen Gäste. Besonders die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens unterstreichend wandten sich Franciszek Grzymała und Bazyli Zatwarnicki an die Teilnehmer. Letzterer schloss mit den Worten: „Nie waren zwei Nationen ihrer selbst mehr würdig als die deutsche und die polnische; nie gingen zwei Nationen einen schöneren und dauerhafteren Bund ein,  als jetzt die Deutschen und die Polen. Möge er für ewige Zeiten unsere Nachkommen beglücken!“   
     Dieser hehre Wunsch war leider reine Utopie. Den Hambacher Worten folgten keine Taten, so dass die „Baier. Staatszeitung“ schon unter dem 6. Juni 1832 höhnte: „Das Hambacher Fest hat in der hiesigen Gegend dem monarchischen Prinzipe mehr genutzt, als eine Armee von 50.000 Mann. Nur noch ein solches Fest und der Ultra-Liberalismus ist auf ewig in Deutschland vernichtet ...“. Und die deutsche Geschichte nahm einen anderen Verlauf, nationaler Egoismus siegte. Aber jetzt, nach nahezu 200 Jahren, sieht es so aus, als könnte dieser damalige Wunsch bei beiderseitigem guten Willen sich langsam – schließlich doch zum gemeinsamen Vorteil! – erfüllen. Die Voraussetzungen hierfür liegen jetzt vor. Und so erlaube ich mir, sehr geehrte Damen und Herren, diese Ausführungen mit einem an jeden Enzelnen persönlich gerichteten Appell zu schließen: Ergreifen wir diese Chance!

Antykwariat - tania książka
Thomas H. Barczyk

Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Wir haben ein offenes Ohr

für Anregungen, Lob und natürlich auch Kritik.

Schreiben Sie uns, was Ihnen an Kulturmagazin Zarys gefällt und was wir in Zukunft noch besser machen können.


Napisz do nas i podziel się z nami swoją opinią o naszym piśmie.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Magazyn Kulturalny Zarys - Kulturmagazin Zarys