ZARYS-PREIS 2010

für Peter Piotr Lachmann

 

Jede Preisverleihung wird von einer angemessenen, in der Regel knappen Begründung gekrönt. So verhält es sich sogar im Falle des Schlusskommuniqué des literarischen Nobelpreiskomittees, welches ein paar wohlfeile, pointenreichen Sätze enthält, die dann von der literarischen Öffentlichkeit analysiert werden. Auch wir geben, toute proportion gardée, unsere Motivierung preis.

 

Indem wir unseren Preis an Peter Piotr Lachmann vergeben, wollten wir einen Künstler ehren, dessen Leben und Leistungen am gültigsten die Idee des Dialogs zwischen Polen/Deutschen und Deutschen/Polen verkörpern. Der hier verwendete Schrägstrich ist ein wesentliches und angemessenes Zeichen der Verbindung und der Austauschbarkeit beider Glieder, eben jener Dialogpartner.

 

Um sich selbst als Künstler (als "Mensch an sich") zu bewahren, muss man sich vom Polen/Deutschen in sich, von seiner Nationalität entfernen das ist ein Hauptpostulat von Gombrowiczs Dialektik. In seinem  Stück "Gleiwitzer Hamlet" schreibt Lachmann, der übrigens mit Gombrowicz in Briefkontakt stand, sogar, dass in jedem Deutschen ein Stück Pole steckt und umgekehrt ... Das ist natürlich ein Scherz, der seinen Stellenwertim Kontext des Stücks hat, der aber nicht ohne ernsthaftere Konsequenzen bleibt. Wenn wir ihn bis zu Ende denken, entdecken wir die Wahrheit des Weges, den wir zurücklegen müssen. Man muss versuchen "auf Distanz zu gehen" von den nationalen Stereotypen, um den Weg zu sich und zum Anderen – dem Fremden zu finden. Sonst treten wir auf der Stelle. Bleiben stecken in den Schützengräben der nationalen Wahnvorstellungen und Phobien.

 

Die Gombrowiczsche Dialektik ist auch auf die Kunst anwendbar. Wie soll man die Last der zweifachen Biographie (der deutschen und polnischen Erfahrungen), der zweifachen Sprache bewältigen? Peter Piotr Lachmann beruft sich häufig und gern auf das Konzept des Doppelgängers, jenes geheimnisvollen Wesens, das gleichermaßen wir selbst sind und uns fremd bleibt. Stark in der deutschen Tradition des "Ich nicht Ich" verwurzelt (Lichtenberg, E.T.A. Hoffmann, Chamisso) konnte Lachmann es für seine eigenen Theaterkonzepte und Spieltheorien weiterentwickeln. Ein Spiel mit sich selbst und um sichselbst. Ein Spiel mit der Nationalität, dem "homogenen" (Entweder-oder) -Sein. Doch vergessen wir dabei nicht den Profit für den Künstler. Stets kann der "polnische Autor" Piotr L. aus ironischer Distanz auf den "deutschen Autor" Peter L. blicken und vice versa. Dieses Spiel betreibt Lachmann nun seit vielen Jahren mit immensem Erfolg.

 

Indem wir Peter Piotr Lachmann den Preis verleihen, tragen wir nur die Schuld unserer Verpflichtung gegenüber unserem Autor ab, dem unermüdlichen Anstifter des deutsch-polnischen Dialogs. In seinem Fall findet dieser Dialog fernab vom Trubel statt, weil in seinem eigenen Inneren. Und vielleicht ist das auch der Grund, aus welchem der Vortrag Identitätsspiele, den wir im deutschen Teil dieser Nummer abdrucken, und der für ein Symposium der Universität Viadrina bestimmt war, nicht an die Öffentlichkeit gelangt ist. Er verrät dieStrategien und Tricks auf dem Manöverfeld des deutschen und polnischen Doppelgängers von Peter Piotr Lachmann.

 

Piotr Roguski

 

Antykwariat - tania książka
Thomas H. Barczyk

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